…endlich 🍿Popcorn-Kino in der Reha

Titel: Gruppen-Therapie oder „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ mit Tee und Taschentüchern.

Willkommen in der Gruppentherapie, dem Ort, an dem sich die wahre Action der psychiatrischen Reha abspielt, gleich neben dem Raucherhof. Ein Mikrokosmos, der irgendwo zwischen einer schlechten Daily-Soap und einer Dreigroschenoper für Menschen mit Krankenkassentarif angesiedelt ist.

Die geschiedene DZ-Mädels-Gang sitzt räumlich noch beisammen, aber emotional längst in getrennten Staffeln. Der Reha-Schwarm (natürlich derselbe Typ, um den’s früher oder später immer geht) und die „Ich-kenn-jemanden-der-auch“- 27j. Expertin sind mittlerweile in einer Phase, die irgendwo zwischen passiv-aggressivem Smalltalk und diplomatischem Kalten Krieg pendelt.

Heute wurde es konkret. Es ging um die 27-Jährige, die bitte, bitte auf den Punkt kommen soll. (Yalla – mach schneller und tu nicht nur rumoxidieren und Worte versprühen) Warum? Weil es den Freund ihrer Zimmergenossin zur Weißglut treibt. Seine Wut ist so greifbar, man könnte sie in Scheiben schneiden und auf Brot essen.

Seine Freundin? Die sitzt zwischen allen Stühlen kurz vor einer Panikattacke. Er lästert bei ihr über die Zimmerkollegin, sie nörgelt bei ihr über ihn. Ein klassisches Sandwich-Desaster. Die Folge: Tränen. Fluchtreflex. Aktion!

Doch halt! Die Therapeutin, die Regisseurin dieses Dramas, ersucht sie, auszuharren. „Bleiben Sie. Halten Sie es aus. Reden Sie.“ (Spoiler: Das Skript sieht keine Flucht vor.)

Und der junge Mann? Er weint nicht. Nicht heute. Das ist unser Cliffhanger. Ein Fels in der Brandung aus Tränen und Tratsch.

Fazit der Einheit: Es war unterhaltsam. Es war absurd. Es war lebendiges Leben, direkt vor meinem Platz an der Wand. Herrlich, dieses Zaungast-Dasein. Man braucht kein Netflix, wenn man die Basisgruppe hat.

Moorleiche trifft Massageidylle

Heute stand Rückenmassage mit warmer Mooranwendung am Programm. Klingt nach Wellnessurlaub, fühlt sich aber eher an wie ein Tinder-Date mit Mutter Erde – heiß, klebrig und irgendwie unangenehm intim.

Beim Reinkommen denk ich kurz, ich wär versehentlich in ein Esoterik-Start-up gestolpert. Ruhige Musik, Harfenklänge, ein Diffuser haucht Lavendelträume in die Luft, und die Lampe wechselt Farben wie ein meditierender Regenbogen 🌈 auf Valium 💊.

Die Therapeutin – sanft, fokussiert, überzeugend – trägt warmen Schlamm auf meinen Rücken auf. Ich nicke verständnisvoll, obwohl mein Hirn unweigerlich „Moorleiche“ ruft. „Das entspannt die Muskulatur“, sagt sie. Ich glaub’s ihr – einfach, weil Widerspruch in dieser entschleunigten Atmosphäre wahrscheinlich als Sakrileg gilt.

Ich liege also da, halb Kartoffelgratin, halb Wellness-Influencer, bis aus der Nachbarkabine ein weiblicher John Wayne aufersteht. Stimme wie ein rostiger Auspuff, Feingefühl wie sein Pferd auf der Zielgeraden. Spätestens als jemand den Desinfektionsspender im Kickstarter-Modus betätigt, ist’s vorbei mit Zen.

Harfe hin oder her – meine persönliche Oase klingt plötzlich nach Werkstatt.

Dann folgt die Massage. Fachkundig, konzentriert, mit dem Enthusiasmus einer Muskelspielerin, die schon den achten Rücken des Tages knetet. Ich schwanke zwischen „Ah, das tut gut“ und „Okay, da war wohl ein Nerv – oder meine Seele“.

Nach je fünfundzwanzig Minuten bin ich entspannt, matschig und leicht gar gekocht. Kurz überlege ich, ob ich einfach hierbleiben soll – im warmen Moor, fernab von Gruppentherapie und Smalltalk zwischendurch. Man liegt da, riecht etwas erdig und du fragst dich, ob das jetzt Therapie ist – oder die Vorbereitung für eine Wiedergeburt als Sumpfpflanze. Haut sich jedenfalls gut an. 

Fazit: Aber nein, ich mache mich wieder brav Gesellschaftsfertig, schau mich im Spiegel an und denke: Wenn’s so weitergeht, bin ich am Ende dieser Reha nicht geheilt – sondern gepökelt

Autogenes Training und die fliegenden Ping-Pong-Bälle des Grauens

Therapietag geglückt. Man hat geredet, man hat ausgehalten, man hat gefühlt. Der Abschluss: Autogenes Training. Endlich. Die Stimme der Therapeutin wiegt uns in Sicherheit. „Ihre Arme werden schwer, warm, ganz entspannt…“

Ich bin weg. Tiefenentspannt. Meine Seele schwebt über einer Wiese. Irgendwo läutet eine ferne Glocke.

✴️ PING. PONG.🏓

Plötzlich ist meine Wiese voller fliegender, weißer Bälle. Sie kommen auf mich zu. Schnell. Bösartig. Mein Körper, soeben noch eine pürierte Masse aus Schwere und Wärme, schießt auf 180. Adrenalin flutet. Der Überlebensmodus ist aktiv.

Reflexartig schlage ich um mich. Mein entspannter Arm, eben noch schwer wie Blei, wird zur Abwehrwaffe. Zack! Zack! Ich wehre die Angreifer ab. Aus dem tiefen Seufzer der Entspannung wird ein ersticktes „Uff!“.

Was ist das? „Stellen Sie sich Ihre Sorgen als einen Ping-Pong-Ball vor…“ – JA, HAB ICH. UND ICH HAB IHM EINE GEKNALLT.

Die Illusion der Entspannung ist dahin. Zerbrochen an der harten, hohlen Realität eines Zelluloidballs.

Fazit: Meine Seele war kurz davor, den Frieden zu finden. Mein Körper fand aber, dass Krieg angesagter ist. Herrlich. Selbst in der tiefsten Entspannung lauert das Chaos – in meinem Kopf immer öfters in Form von kleinen, weißen Bällen 🤣

Dies ist eine humoristische, überspitzte Darstellung eines Alltagsmoments in der Reha, ohne den Wert der Therapie an sich schmälern zu wollen. Aber manchmal gewinnt einfach der Reflex.

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