Therapeutentausch mit Nebeneffekten – Drachen-Quest?

Die Gruppentherapie – der Ort, an dem Flow ein Fremdwort ist und Pünktlichkeit plötzlich zur Olympischen Disziplin wird. Heute hatten wir den Ersatz-Therapeuten, den alle so toll finden, „viel besser“ empfinden als unsere derzeitige. (Die, nebenbei bemerkt, ich eigentlich ganz okay finde.) . Warum? Weil er Regeln hat. Kein Trinken, kein Pinkeln, kein „Ich bin geistig schon beim Mittagessen“. Klar, wer will schon Unterbrechungen, wenn man stattdessen die 37. Wiederholung von „Meine ADHS-Zwangsgedanken-Panikattake-Diagnose und ich“ hören darf? Denn wie erwartet, kamen wieder die üblichen Akteure auf die Bühne des seelischen Schauspiels und präsentierten ihre „Probleme“ und Diagnosen – Spoiler: langweilig. Ich war beschäftigt. Ich begann, die Ösen seiner Turnschuhe zu zählen. 14 pro Schuh. – höchste Konzentration. Danach widmete ich mich dem Stofftapetenmuster an der Wand gegenüber. (Kunsttherapie? Check.)

Gerade, als ich tief in meinem La-La-Land versunken war – ein angenehmer Ort, übrigens –, holte mich der Therapeut mit der Frage „Wo sind Sie gerade?“ aus meinem Drachen-epischen Tagtraum brutal ins Hier und Jetzt riss er mich zurück.
Nach einem kurzen Moment des inneren Widerstands sagte ich ehrlich: „Das wollen Sie jetzt nicht wissen, weil das ist nicht jugendfrei.“

Er blieb hartnäckig.
Also erzählte ich ihm meine jugendfreie Version: Drachen, Schwert mit Glitzersteinen, ein bisschen Fantasy-Light. Mehr ging einfach nicht – mein Kopfkino hat halt eine strenge Altersbeschränkung.

Fazit: Manchmal frage ich mich, ob das in der Reha alles Teil des Plans ist: die Grenze zwischen Therapie und Impro-Theater bewusst verschwimmen zu lassen. Wenn ja – Chapeau. Ich buche gern die nächste Vorstellung. Scheinbar ist die Reha manchmal einfach ein schlecht synchronisierter Fantasy-Film. Und wir? Die Statisten, die eigentlich nur auf die Pause warten. 🐉✨

wie ich meine Muskeln kennenlernte, die ich nie wollte

Physiotherapie in der Reha – klingt harmlos, oder? Bis man merkt, dass Gleichgewicht nicht nur im Kopf, sondern auch in den Füßen wohnt. Im Grunde sind es ganz einfache, wirklich leichte Übungen. – Sagen sie. – bis man auf einem dieser runden Kipp-Bretter steht, die aussehen wie halbe Gummibälle, erfunden von jemandem, der eindeutig zu viel Freizeit und sadistische Tendenzen hatte.
Die Realität: Ich habe heute Muskeln aktiviert, von deren Existenz ich nicht einmal eine vage Vermutung hatte – und die sich anscheinend alle in meinen Füßen verstecken. Diese neue Bekanntschaft verdanke ich ausschließlich meinem beleidigten Knöchel, der beschlossen hat, beim ersten Kippversuch demonstrativ nachzugeben (heuer Ende Juni). Danke dafür, Körper. Aber hey, immerhin weiß ich jetzt, dass ich Muskeln in meinen Füßen habe. Oder an meinen Füßen. Oder irgendwo in der Nähe. Wer weiß das schon?

Fazit des Tages: Ich bin kein Zirkusartist, aber ich habe definitiv neuen Respekt für jeden, der auf einem Ball stehen kann, ohne sich selbst zu demütigen. Nächstes Mal nehme ich einen Helm mit. Oder vielleicht einfach einen Sessel.

Aber hey – Reha bedeutet ja Wachstum. Heute eben muskulär. Und morgen vielleicht emotional. Vorausgesetzt, ich kann wieder stehen.

Die Allgemeinärztliche Visite – Ein Meisterwerk der Zeitdehnung

Heute war es wieder soweit: die allgemeinärztliche Visite. Ein Ereignis, das so spannend ist wie ein Behördengang, aber mit mehr Smalltalk. Mein Auftrag? Einen offiziellen Ausgang für kommenden Freitag ergattern, um die Klinik für „dienstliche Zwecke“ zu verlassen. Klingt nach einer Sache von zwei Minuten, oder? Falsch gedacht.

Da sitzt er, der Allgemeinmediziner. Der Arzt, den man sich privat wünscht – immer Zeit, immer ein Lächeln, immer eine Geschichte auf Lager. Er plaudert, erzählt von seinem letzten Urlaub, fragt, ob ich schon mal in Timbuktu war (nein, noch nicht), und ich? Ich nicke höflich, während ich innerlich die Sekunden zähle.

Acht Minuten. Acht. Minuten. Für einen Ausgang, der in einem Satz hätte erledigt sein können. Aber nein, hier wird jede Sekunde zelebriert wie ein kleines Kunstwerk. Effizienz? Fehlanzeige. Zeitmanagement? Ein Fremdwort. Ein Allgemeinmediziner, der aus acht Minuten eine epische Reise macht. 😅

Stachelige Entspannung purJetzt wird’s spitz!

Heute war’s endlich soweit: Die Nadel-Stichaktion! Und nein, es handelt sich nicht um ein geheimes Reha-Ritual oder ein neues Tattoo-Piercing-Angebot – sondern um NADA-Akupunktur. Fünf Nadeln ins Ohr für mehr innere Ruhe. Klingt nach Folter, ist aber (angeblich) Entspannung pur.

Nach einer kurzen Einweisung mit Ohrmodell (wer braucht da schon Netflix?), geht’s los: Sechs Patienten, zwei Ohren, unzählige Desinfektionstücher. Jeder reinigt sich tapfer die eigenen Ohrmuscheln – wie Profis im Selbstversuch. Dann kommt die Pflegekraft mit der Präzision eines Uhrmachers und zack zack zack, fünf Nadeln pro Ohr. Rechts: „Aua!“, links: „Oh, da war was?“ – perfekte Balance also.

Dann wird das Licht gedimmt, absolute Ruhe. Kein Pieps, kein Rascheln, kein Handy – einfach nur 30 Minuten kollektive Entspannung. Ich spüre, wie in meiner linken Gehirnhälfte ein wohliges Kribbeln aufsteigt – wie Gänsehaut mit Happy-End. Sanfte Entspannungswellen durchfluten mich, ich schwebe zwischen Erleuchtung und Nachmittagsschlaf.

Nach der halben Stunde: Licht an, Nadeln raus, Reality-Check. Die Pflege serviert den legendären NADA-Tee mit Hopfen, Minze und – kein Witz – Katzenminze etc. Vermutlich, damit wenigstens jemand danach richtig aufblüht.

Mein Fazit: Ich bin jetzt offiziell tiefenentspannt, leicht sediert und kurz davor, mit meinem Kissen eine feste Beziehung einzugehen.
NADA? Von wegen nichts – das ist Nadel-gestützte Nirvana deluxe!

Reflexionsgruppe – die hohe Kunst des Augenrollens

Nach der wohltuenden Nadel-Stichaktion ging’s heute weiter mit der sogenannten Reflexionsgruppe. Der Name klingt ja erstmal tiefgründig – man erwartet Seelenschau, Selbsterkenntnis, vielleicht sogar ein bisschen Gruppendynamik deluxe.

Tja… stattdessen gab’s 20 Minuten Gratis-Unterhaltung mit Themen aus dem Leben: „Wer hat wo geraucht, obwohl er’s nicht durfte?“ (Balkon auf der Reha), „Wer hat einen Strafzettel bekommen?“ und natürlich das Highlight – „Wer hatte fast einen, aber dann doch nicht?“ Pure Spannung!

Ich nenne das Ganze liebevoll „Alltag mit Deppensteuer“ – bezahlt wird mit Lebenszeit, manchmal auch mit echtem Geld. Aber hey, immerhin sind sie trotz öfteren gröberen Dummheiten erstaunlich oft ohne Strafe davongekommen. Fast schon ein Talent.

Fazit: Reflexion erfolgreich – ich reflektiere jetzt, dass meine Geduld offenbar noch erstaunlich belastbar ist.

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