Die Baustelle der Seele

Gruppenaustausch beim Abendessen in der psychiatrischen Reha. Ein Mitpatient fasst die Erfahrung treffend zusammen: „Hilf dir selbst.

Da wird an jeder Ecke der Psyche gebuddelt, Schlaglöcher der Vergangenheit aufgerissen und Verkehrsknotenpunkte der Emotionen gesperrt. Gefühlt wurden hier Baustellen eröffnet, von denen man nicht mal wusste, dass man Grundstücksbesitzer ist. Innere Kind-Einfahrt? Aufgerissen. Selbstwert-Tunnel? Gesperrt. Grenzen setzen? Komplett Umleitung bis Dezember.

Es erinnert frappierend an Sommer in der Großstadt:

An JEDER wichtigen Stelle ein Bauzaun, ein Warnblinker und irgendein Schild mit „Wir bitten um Verständnis“. Arbeiten? Wochenlang niemand zu sehen. Höchstens ein verlorener Bauhelm, der traurig im Wind wippt.

Und am Ende sitzt man da und denkt sich: Super. Innen komplett aufgewühlt, außen Sperrzone – aber wenigstens gibt’s morgen Vanillepudding.

Therapie läuft.

Langsam.

Sehr langsam.

Baustellengeschwindigkeit eben.

Fazit: Die Reha ist wie eine ewige Baustelle. Man hofft auf Fortschritt, aber oft sieht man nur die Absperrungen. Und doch – irgendwann kommt vielleicht der Tag, an dem die Straße wieder frei ist. Bis dahin: Helm auf und durch. 

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