Da fliegt dir doch das Blech weg!

Man verbringt ja bekanntlich einen beachtlichen Teil seines Lebens wartend – an Kassen, auf Antworten… und natürlich an roten Fußgängerampeln. Letzteres allerdings nur, wenn man nicht gerade testet, wie belastbar der eigene Schutzengel ist.

Also stehe ich da, vorbildlich wie ein Verkehrs-Influencer ohne Follower, als ein Motorradfahrer beschließt, rechts an einem Pkw vorbeizuziehen – weil warum auch nicht, YOLO gilt ja offenbar auch im Straßenverkehr. Und dann: Scheppern. So abrupt, dass selbst meine Neugier kurz ins Stolpern gerät.

Da liegt es nun. Ein quadratisches Blechschild. Ehemals stolzes Kennzeichen, jetzt flachgelegt wie ein schlechter Witz. Mit der Beschriftung nach unten, als würde es sich schämen, zu wem es gehört. Verlassen. Verstoßen. Fast poetisch.

Ich werfe ihm einen kurzen, mitleidigen Blick zu – und plötzlich meldet sich mein soziales Gewissen. Dieses seltene Tier. Also hebe ich das gute Stück auf. Der Fahrer? Cruist vermutlich weiter, frei wie der Wind… und bald auch anonym wie ein Kommentar im Internet.

Also ab zur Polizei. Ich male mir schon aus, wie effizient hier alles läuft: Datenbank, Fahndung, heldenhafte Rückführung des Blechs zu seinem Besitzer. Stattdessen:

„Sucht das Kennzeichen niemand?“

…bitte was?

Mein inneres Ich, irgendwo zwischen Krimi und Kleptomanie, flüstert: Challenge accepted.

Kurz sehe ich ihn vor mir – den Fahrer. Panisch. Suchend. Während ich, diebische Elster meines eigenen Drehbuchs, das Schild an mich nehme. Mein Schatz. (Gollum lässt grüßen)

Begleitet von meinem inneren Soundtrack: „Du kriegst mich nicht.“

Ich gebe zu: Das Kopfkino hatte Unterhaltungswert.

Zurück in der Realität erkläre ich pflichtbewusst die Lage. Der Beamte nickt, wirkt aber etwa so engagiert wie ein Montagmorgen. Und dann die Lösung:

Ich soll das Kennzeichen… in eine rote Box vor der Tür werfen. Offenbar sind die Sparmaßnahmen auch dort angekommen – keine Ressourcen für so viel Bürgerengagement.

Diese „Fundbox“ sah übrigens aus, als hätte sie früher Altkleider gefressen und jetzt Metallhunger entwickelt.

Also werfe ich das gute Stück hinein. Klappe zu. Bürgerpflicht erledigt.

Pfadfinder-Motto für Fortgeschrittene: Jeden Tag eine gute Tat – auch wenn sie am Ende im Container landet.

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