Um 7 Uhr morgens – erfolgte der feierliche Umzug vom Doppel- ins Einzelzimmer. Nur ich, meine Gedanken und die dezente Geräuschkulisse der Putzkolonne. Danach Frühstück – das hier übliche köstliche Reha-Buffet.
Kurz nach 8 war dann mein wöchentliches Sahnehäubchen, der ‚Seelen-Service-Termin‘ bei dem ich in 50 Minuten Einzel-Gespräch-Therapie mehr über mich erfuhr, als in 5 Jahren Selbstgespräche.“ Diesmal war eine therapeutische Tiefenbohrung deluxe angesagt. Gemeinsam erforschten wir, was mich wütend macht (Spoiler: ziemlich viel) und welche Werte mir wichtig sind (Kaffee zählt offenbar nicht als Wert).

Ab 10:30 ging’s dann mit Wanderstöcken bewaffnet in die Natur – als Gruppe, versteht sich. Ob die Natur uns mochte, wurde nicht hinterfragt. Wir stampften, traten, klimperten und machten einen akustischen Eindruck, als hätte man eine Horde Pinguine auf Nordic Walking gesetzt.

Der Nachmittag stand wieder ganz im Zeichen der Musiktherapie – oder, wie ich es nenne: „Das Theater der Klänge“. Jeder bekam ein Instrument, und irgendwer gab den Rhythmus vor. Ich war fasziniert, dass ich es tatsächlich schaffte, mich auf diesen Takt einzulassen. Es erinnerte mich an die Trommler auf antiken Galeeren – nur dass hier niemand rudern musste, höchstens mit den Nerven.

Zum krönenden Abschluss: Achtsamkeit mit Duftölen. Wir schnüffelten uns durch Lavendel, Zitrone, Patchouli und „Was zur Hölle war das bitte?“. Am Ende hatte ich das Gefühl, meine Nasenscheidewand sei bereit für den nächsten HNO-Kongress.