Heute ist therapiefrei. Gott sei Dank. Zeit, über das wirklich Wichtige zu schreiben: Das Essen. Denn was sind schon seelische Abgründe im Vergleich zur Wahl zwischen Augsburger und Polentaschnitte?
Am ersten Tag erschien der Küchenchef höchstpersönlich, strahlend wie ein Fernsehkoch kurz vor der Werbepause. Er ging von Tisch zu Tisch, erkundigte sich nach Anreise, Befinden und Lebenssinn – ein Mann, der Small Talk so ernst nimmt, als hinge davon die gesamte Heilungskurve ab. Beschwerden? Anregungen? Immer her damit. Während ich mich fragte, ob das Menü meine Existenzkrise lindern könnte, war ich kurz versucht, um ein Glas Weintherapie zu bitten.

Und was bietet die kulinarische Trauma-Ambulanz? Eine verwirrende Vielfalt, die einen in die Lage versetzt, noch vor dem Mittagessen fünf fundamentale Lebensentscheidungen zu treffen.
Frühstück ist Buffet – die heilige Dreifaltigkeit aus Weißmehl, Wurst und Wellness-Müsli. Dazu Joghurt, Käse, Marmelade und ein Kaffeeangebot, das von „Filter“ bis „italienischer Nervenzusammenbruch“ reicht.
Mittagessen: Ein psychodramatisches Menü.
Es folgen die zwei Sakramente der Wärme – Suppe klar und cremig.
· Die Vegetarier („für Wiederkäuer mit Geschmack“),: Gnocchi, die dir in die Seele schreiben. Sellerieschnitzel für die, deren Probleme hausgemacht sind.
· Die Hausmannskost-Fraktion („für Fleischesser mit Schuldgefühl“): Augsburger, die so schwer sind wie die Erkenntnis in der Gruppentherapie.
· Die „Vitalkost„-Abteilung („für alle, die glauben, das bringt’s jetzt wirklich“): Kokos-Gemüsecurry. Es riecht nach Vergebung und schmeckt nach Selbstoptimierungswahn.
Abendessen: Die große Versöhnung und Entschleunigung: Ratatouille, das an bessere Tage denken lässt, und Fisolen-Speckauflauf, der klingt wie eine Fehlbesetzung auf einem Diätplan, und der einen direkt wieder in die Realität holt. Und Bauernsalat, oder Aufstriche in drei Aggregatzuständen.
Dessert? Natürlich. Reha-Erfolg misst sich schließlich auch am Zuckerspiegel.
Fazit: Das Küchen- und Serviceteam liefert täglich Herzenswärmer, Seelenstreichler und Gaumenverzückungen. Ich spüre die Genesung schon… Wenn die Seele streikt, überzeugt der Koch. Und ich bin überzeugt. Zumindest bis zur nächsten Waage.