Reflexionsgruppe – oder: emotionale Kotzparty mit Rauchpause

Heute wieder Reflexionsgruppe. Das übliche: einer nach dem anderen kippt seine seelische Gülle in den Kreis – Gruppenkotzen in Reinform. Das offizielle Kotzbecken der Seele. Wo die Regale der Erinnerungen geöffnet und die Leichen aus dem Keller gezerrt werden.

Ein Beispiel zum Thema Zwangsgedanken: mittags mit dem Suppenschöpfer an ein Glas gestoßen, sofort Kopfkino Deluxe – was, wenn ein Splitter in die Suppe gefallen ist? Was, wenn jetzt jemand an deinem imaginären Splitter stirbt? Natürlich folgt die gründliche Glasuntersuchung: kein Kratzer, kein Sprung, alles heil – aber das Hirn schaltet trotzdem in Endlosschleife. Willkommen im mentalen Escape Room ohne Ausgang.

Der nächste erzählt, dass er früher trank, um die Bilder aus dem Jugo-Krieg zu vergessen. Massengräber, Kinder, Kopfschüsse. „Backflash“ nennt er das. Das obligatorische Gruppen-Gejammer, kurzes Schluchzen. Die Umarmungs-Orgie. Das kollektive Schulterklopfen. Die Dankbarkeit fürs „Öffnen“. Ein paar haben sich schon erleichtert – verbal wie emotional – und verlassen vorzeitig den Raum.

Irgendwann, nach ~ 55 Minuten, fragt man mich, ob ich auch noch was sagen möchte.

Meine Antwort? „Nein, danke“. (Spoiler: Ich trage heute leider nicht das passende Drama-Outfit für einen öffentlichen Seelenstriptease. Da sind mir meine Selbstgespräche doch reflexionsfördernder.)

Und nach der Gruppenumarmung (Spoiler: natürlich ohne mich – diese ungebetenen Keime im Haus sind Drama genug) marschiert die Kuschel-Truppe brav zur Rauchertherapie mit Nikotin-Infusion.

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